200 m Sprint mit fliegendem Start

Zur WM hatte ich mich dieses mal in der Klasse der teilverkleideten angemeldet (RazzFazz Race mit kleiner RazzFazz-Heckhutze).

Der erste Versuch: Ich kam gut auf Tempo. Schon 500 m vor dem Start hatte ich 60km/h erreicht. Leider erwischte ich eine starke seitliche Windbö etwa 100 m vor der Startlinie. Statt weiter richtig durchzuziehen, war ich voll damit beschäftigt, halbwegs geradeaus zu fahren. So kam ich nur auf 67 km/h an der Startlinie, konnte aber immerhin noch auf knapp 69 km/h beschleunigen. Zuerst fand ich den Versuch ganz gelungen, aber ein Blick auf die Ergebnisliste relativierte das: Platz 3 mit knapp 68 km/h, 3 km/h zu langsam.

Da der Sprint in der WM-Gesamtwertung genau so wichtig ist, wie die anderen Rennen, galt es, eine Schippe drauf zu legen, um nicht schon im ersten Rennen die Titelchancen zu verspielen. Dieses mal fuhr ich links am Fahrbahnrand, um den Wind-Verwirbelungen zu entgehen (links war freies Feld, rechts Bäume, die zu den Verwirbelungen insbesondere auf der rechten Fahrbahnseite führten). Ich zog das Tempo etwas später an (aber immer noch etwas zu früh, vgl. Bild), erreichte die Startlinie mit über 70 km/h und 71.6 km/h als Maximum. Mit 70,58 km/h im Schnitt konnte ich mich auf Platz 2 vorschieben, eine sehr gute Ausgangsposition für die folgenden Rennen. Den auf Platz 1 liegenden Franzosen Lelievre Geoffroy hatte ich schon in Monza in den längeren Rennen deutlich geschlagen (damals sogar ohne Heckverkleidung).

1-h-Rennen

Auf den Stadtkurs habe ich mich besonderes gefreut, weil er durch zwei engere Kurven und die vielen unterschiedlich schnellen Fahrer auf der Strecke auch fahrerische Qualitäten verlangt. Durch die Kurven und die leicht ansteigende Zielgerade war zudem klar, dass auf dem Kurs pro Runde mindestens 2 mal mit hoher Leistung beschleunigt werden muss. Die letzten 3 Wochen vor Leer habe ich das daher als Schwerpunkt trainiert. Meine Taktik war, die Konkurrenz zu möglichst vielen Antritten zu zwingen und sie so zu ermüden.

Mit dem Wetter hatten wir Glück. Nach Regen am Nachmittag war die Strecke bis zum Start des Rennens vollkommen abgetrocknet. In der wie immer etwas chaotischen Startaufstellung erwischte ich einen Platz hinter Ymte. Eine gute Wahl: Er zog direkt los wie bei einem 1000m Sprint. So hatte ich Platz und war direkt mit vorne. Auf der leicht abfallenden Gegengerade wurde direkt richtig Tempo gemacht: 55 km/h. Alle, die schlecht los gekommen waren, mussten nun schon ein paar Körner lassen, um die Lücke nach vorn zu zu fahren. Nach wenigen Runden, in denen Matze und ich Tempo machten, war die Führungsgruppe schon auf enige Fahrer geschrumpft . Meine direkten Konkurrenten (Lelievre, Bernhard, Andreas) waren - soweit ich es im Spiegel sehen konnte - schon zurückgefallen. Es galt also für mich, den Vorsprung zu halten. Ich habe also vorn Tempo gemacht, wobei mich Matze gut unterstützt hat (ca. 60:40 Anteile). Er musste ja UV gewinnen, um seine Titelchancen zu wahren. Wenn ich vorn war, habe ich versucht ungleichmäßig zu fahren: Mal durch Aufschließen auf schnelle VMs auf den Geraden, mal durch besonders schnelle Kurvenfahrten und das schnelles Hochziehen der Geschwindigkeit nach der Kurve, mal durch Ausnutzen langsamer Fahrer als Hindernisse, die die den nachfolgenden von der Ideallinie zwingen. Nach etwa 35 min war auch der letzte Verbliebene, Matzes Konkurrent Stijn, zermürbt und abgeschüttelt. Das Rennen war praktisch gelaufen. Im Regenschauer nach etwa 45 min mussten wir so in den Kurven nichts riskieren. Da ich als TV nicht gegen UV verlieren wollte, habe ich in der letzten Runde nochmal richtig Tempo gemacht. Bis zur letzten Kurve konnte Matze so nicht überholen. Danach waren dann so viele andere Fahrer auf der Zielgeraden, dass ein Überholen nicht mehr möglich war, selbst, wenn er genug Kraft gehabt hätte. Mit dem Rennen waren wir beide sehr zufrieden - eine tolle Zusammenarbeit. Die meisten Konkurrenten haben wir sogar überrundet.

Daten: 1:05:13 h, 51.9 km (offiz. Schnitt 48.03 km/h), 269 Watt (SRM, Bezug auf Gesamtzeit), Puls 156/min (83% von Max.)

Zu den Kurven: 135°-Kurve nach Start: max. 50 km/h, 90°-Kurve vor Zielgerade: 47 km/h (Fliehkraft/Erdbeschleunigung ca. 0.7)

In diesem Video kann man erahnen, was man in Kurven verlieren oder gewinnen kann. Vor der Kurve bin ich hinter Matze, nach der Kurve neben ihm (mit Geschwindigkeitsüberschuss). Der Unterschied ist, dass ich früher am Kurveneingang die endgültige seitliche Neigung erreiche. Leider habe ich kein besseres Beispiel in den Videos gefunden. In den Kurven konnte ich oft Lücken zum Vordermann von einigen Metern schließen.

100-km-Rennen

Eine Kopie des 1-h-Rennens, was TV/UV angeht. Zu Beginn des Rennens gab es dieses mal aber eine größere Gruppe u.a. mit Matze, Stijn, Lelievre, Bernhard, Andreas, Arne. Anfangs machten besonders Matze und Lelievre das Tempo. Warum Lelievre so viel Tempo machte, habe ich erst nicht verstanden, aber hinterher war klar, dass er Andreas abhängen musste, um Dritter der Gesamtwertung UV werden zu können. Das hat er ja auch geschafft. Lange vorne mithalten konnte er nicht. Nach ca. 15 min waren nur noch Matze, Stijn, Bernhard und ich übrig. Matze fuhr sehr stark. In der ersten Stunde fuhr er bestimmt 60% der Zeit vorn, so dass ich gespannt war, ob seine Kräfte bis zum Ende reichen würden. Im Gegensatz zum 1-h-Rennen fuhr ich zunächst maximal energiesparend, d.h. keinerlei unnötigen Antritte. Immer wieder versuchte Matze, Stijn durch Tempoverschärfungen abzuschütteln, aber der blieb immer locker an Matzes Hinterrad und verrichtete kein bisschen Führungsarbeit. Das blieb so bis ca. 55 km der Renndistanz. Bei einer weiteren Tempoverschärfung während eines starken Regenschauers musste er dann schließlich abreißen lassen. Nun war auch klar, dass er nicht nur aus taktischen Gründen keine Führungsarbeit geleistet hatte: Das Dranbleiben war schon alles was ging. Auch Bernhard viel nun etwas zurück, so dass Matze und ich wie im 1-h-Rennen allein vorn waren. Wir wechselten uns jede Runde in der Führung ab - wieder eine perfekte Zusammenarbeit. Nur in der Letzten Runde habe ich lieber auf seine Führungsarbeit verzichtet  (Leistungsschnitt in der letzten Runde: 340 W).

Daten: 1:59:57 h, 91.8 km (offiz. Schnitt 45.92 km/h), 241 Watt (SRM, Bezug auf Gesamtzeit), Puls 143/min (Grenze GA1/2  )

Fazit

Diese WM war die umfangreichste und trotzdem die am besten organisierte Liegeradveranstaltung, an der ich bisher teilgenommen habe. Großes Kompliment an Heike und Christoph und die vielen weiteren Helfer. Schade, dass Matze den Titel knapp verpasst hat. Insgeheim hatte ich gehofft, das wir mit 3 Weltmeistern zu dem 24-h-Rennen in Kelheim in 2.5 Wochen fahren. 

Auch wenn ich dazu nichts geschrieben habe: Die Zeit neben den Rennen macht auf solchen Veranstaltungen mindestens genau so viel Spaß wie die Rennen selbst.

Was ist die Summe aus 3 und 1?

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